Dr. Ruth Freydank: Der Fall Berliner Theatermuseum

»Am 21. Mai 1929 fand die feierliche Einweihung des Berliner Theatermuseums statt. Nach verschiedenen vergeblichen Anläufen eine solche Einrichtung zu gründen, darf wohl die Deutsche Theaterausstellung 1927 in Magdeburg als Initialzündung bezeichnet werden, so dass das Projekt ab 1928 endlich konkretisiert wurde.

Nach der anfänglichen Unterbringung in der Bibliothek der Staatsoper konnte das »Museum der Preußischen Staatstheater« (so die offizielle Bezeichnung) am 7. Januar 1937 in seinem neuen Domizil im Berliner Stadtschloss eröffnet werden, wo es bis in die frühen 1940er Jahre hinein beheimatet war. Die kriegsbedingte Auslagerung der Sammlungen an verschiedene Orte führte zu einer Zerstreuung. Weder Ost noch West haben nach dem Krieg ernsthaft an der Wiedereinrichtung dieses Museums Interesse gezeigt.«

Frau Dr. Ruth Freydank, renommierte Berliner Theaterwissenschaftlerin und unter anderem langjährige Leiterin der Theaterabteilung der heutigen Stiftung Stadtmuseum, hat in einer geradezu kriminalistischen Arbeit sowohl die Geschichte des Museums als auch den Verbleib der Sammlungsbestände recherchiert und dokumentiert. Damit liegt erstmalig eine ausführliche, wissenschaftlich fundierte Dokumentation der nachweisbaren Bestände vor (und eine Recherche zu deren Verbleib), die es so zuvor noch nie gegeben hat. Die personelle Unterbesetzung, die uns auch heute nur all zu bekannt ist, hatte damals bereits zu Einschränkungen in der Aufarbeitung und sogar der reinen Archivierung geführt.

Die vorliegende Arbeit - im Auftrag des Berliner Senats begonnen - ist aufgrund der unerwarteten Komplexität nur durch die unermüdliche Eigeninitiative von Frau Dr. Freydank vollendet worden.

Der 1.Teil bietet eine im zeitgeschichtlichen Kontext stehende Historie des Museums von den ersten Überlegungen vom Beginn des 20.Jahrhunderts bis zum aktuellen Stand im neuen Jahrtausend. An ausgewählten Beispielen wird der hohe Stellenwert der Sammlung veranschaulicht. Der 2. Teil bietet eine umfassende Dokumentation der aufgefundenen Bibliotheksbestände. Die vorliegenden Ergebnisse machen auch klar, dass unabhängig von der Existenz eines eigenständigen Museums Sammlungen weiterhin aufgebaut und gepflegt wurden und werden.

Diese Arbeit ist ein Plädoyer für die Wiedereinrichtung eines Theatermuseums in Berlin. Grosse Teile des Bestands sind in zahlreichen Berliner Museen und Institutionen existent, neue hinzu gekommen. Sie müssen nur aus den Archiven und Depots heraus geholt werden. Die Erfahrungen der Zeit stellen dabei einen museologischen Erkenntnisgewinn dar, so dass aufgrund der enormen Umfänglichkeit des Themas ein Theatermuseum nur als ein Gemeinschaftsprojekt vieler und ganz unterschiedlich ausgerichteter Institutionen erfolgreich sein kann. Ein Gedanke, der bereits 1927 in Magdeburg verfolgt wurde.

Die »Initiative TheaterMuseum Berlin e.V.« freut sich, dieses wichtige Werk unterstützen zu können.

Leseproben können unter nachstehenden Links des Verlags heruntergeladen werden:
Band I: Geschichte – Bilder –Dokumente
Band II: Relikte einer ehemaligen Theaterbibliothek - Dokumentation

Die TheaterForschung hat eine ausführliche Rezension geschrieben → Website
Die Theatergemeine Berlin hat bereits über die Publikation berichtet → Website

Artikel in «Neues DEUTSCHLAND« 5. Juni 2012

In der Reihe »Montagskultur« der FVB stellte Frau Dr. Freydank ihr Buch einem interessierte Publikum vor. Im Rahmen dieser Veranstaltung verlieh ihr die »Initiative TheaterMuseum Berlin e.V.« die Ehrenmitgliedschaft.

Ruth Freydank, Jahrgang 1935, geboren in Berlin. Nach Schulabschluss Ausbildung als Kindergärtnerin und dreijährige Berufstätigkeit, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. Studium der Geschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, 1966 Diplom. Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sekretärin der Sektion Literatur-, Theater- und Musikmuseen am Institut für Museumswesen der DDR. 1978 - 1995 Leiterin der Abteilung Berliner Theater-, Literatur- und Musikgeschichte am Märkischen Museum Berlin. Zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Publikationen vornehmlich zur Berliner Kultur- und Theatergeschichte, Hauptwerk: »Theater in Berlin. Von den Anfängen bis 1945«. Kulturpolitische Aktivitäten nach 1990: Vorsitzende der Freien Volksbühne Berlin e.V. für zwei Wahlperioden, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Fontane-Gesellschaft, Gründungsmitglied und stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Deutschen Theaters und der Kammerspiele, Mitwirkende im Fontane-Ensemble Berlin, Mitglied der Gesellschaft für Theatergeschichte.

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